Zu viel Freiheit kann der Freiheit schaden

Zu viel Freiheit kann der Freiheit schaden

Aufgrund einer Twitter-Diskussion veröffentliche ich hier einen Auszug aus einem Blog-Artikel, der im August 2021 erschien, und ergänze ihn noch mit aktuellen Bemerkungen. Damals ging es mir um die Aussage, dass der Kampf gegen Pandemiemassnahmen nicht zu mehr Freiheit führt, sondern zu weniger. Heute geht es mir um eine Analyse der Frage, ob ein Maximum an Freiheit für das Individuum zu einem Maximum an Freiheit für die Gesellschaft führen kann, was es dazu bräuchte und wieso dies nicht immer in Einklang mit der menschlichen Natur zu bringen ist.

Damals schrieb ich:

Eigenverantwortung soll staatliche Vorgaben ersetzen. Der Begriff bedeutet, dass jeder Mensch für sich frei entscheiden kann, was für ihn oder die Gesellschaft am besten ist.

Doch welche Definition ist aus Sicht einer funktionierenden und freien Gesellschaft tatsächlich die beste, wenn – wie oben dargestellt – das Individuum gar nicht über die notwendigen Informationen verfügt, um diese Entscheidung optimal treffen zu können?

Diese Aussage bezog sich darauf, dass im Hinblick auf die Verbreitung von SARS-CoV-2 zahlreiche Falschinformation verbreitet wurden. So war zum Beispiel vielen Menschen nicht bewusst – oder sie wollten es nicht wahrhaben –, dass ein mit SARS-CoV-2 Infizierter auch dann andere anstecken kann, wenn er selbst noch gar keine Symptome zeigt. Sich gesund zu fühlen reichte also nicht aus, um sicher sein zu können, dass man andere nicht anstecken kann.

«Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt». Immanuel Kant (1724-1804)

Wer danach lebt, müsste Eigenverantwortung so verstehen, dass man seine eigene Freiheit freiwillig dann einschränkt, wenn die Freiheit (oder Leben oder Gesundheit oder Vermögen) einer oder eines Anderen geschädigt werden könnte.

Tatsächlich würde diese Definition von Eigenverantwortung zu einem Maximum an Freiheit für die Gemeinschaft führen.

Denn ein Volk erhält dann seine grösste Freiheit wenn jedes Individuum seine Freiheit freiwillig einschränkt, um dadurch die Freiheit Anderer zu schützen.

Wird Eigenverantwortung hingegen so definiert, dass jede/r tun und lassen kann, was er oder sie will, nimmt die Freiheit – oder Gesundheit oder Vermögen – Anderer immer wieder Schaden. Die Gemeinschaft wird dann zur Schadensbehebung oder -begrenzung gezwungen.

Jeder Zwang wiederum stellt einen Verlust von Freiheit dar.

Eine Gesellschaft, in der Eigenverantwortung nicht so definiert wird, dass man die eigene Freiheit freiwillig zum Schutze Anderer einschränkt, ist deshalb weniger frei als eine Gesellschaft, in der Eigenverantwortung so definiert wird, dass man sich freiwillig einschränkt, um die Freiheit Anderer zu schützen.

Das folgende Gedankenspiel zeigt den Mechanismus auf.

Nach der Befreiung einer zuvor unfreien Gesellschaft kann der Freiheitsgrad der Gesellschaft deshalb zunächst zunehmen, um dann wieder zu sinken, wenn die Anarchie der rücksichtslosen Freiheit des Individuums Anderen immer mehr Schaden zufügt.

Zeigen die Individuen sich uneinsichtig oder unfähig, ihre Freiheit eigenverantwortlich und freiwillig einzuschränken, bleibt einer solchen Gesellschaft nichts anderes übrig, als Regeln zu erlassen, die die Freiheit des Individuums zugunsten einer in dieser Situation maximal möglichen Freiheit der Gesellschaft einschränken.

In der Folge stellt sich ein neues Optimum ein, das wegen der egozentrischen Haltung Einzelner die Gesamtheit der Individuen in ihren Freiheitsrechten einschränken muss, denn jeder zusätzliche individuelle Freiheitsgrad würde die Freiheit des Kollektivs reduzieren.

Dennoch kann eine Gesellschaft, die ihre Freiheit mit Regeln – Gesetzen oder Verordnungen – schützt, unter dem Strich freier sein, als eine Gesellschaft, in der niemand Rücksicht auf die Anderen nimmt.

Eigenverantwortlich zum Schutze der Freiheit (und Unversehrtheit) Anderer kann deshalb bei einem so heimtückischen Virus nur bedeuten, dass man freiwillig alles tut, um die Wahrscheinlichkeit einer Infektion und Übertragung maximal zu reduzieren.

Die Mittel dafür sind bekannt: die Anzahl Kontakte klein halten; Abstand; ohne Impfung oder aktuell negativen Test den Aufenthalt in Innenräumen vermeiden und in Innenräumen Masken tragen.

Doch leider ist es anders. Ausgerechnet diejenigen, welche am lautesten schreien, es brauche keine staatlichen Massnahmen, die Eigenverantwortung reiche aus, sind gleichzeitig diejenigen, welche sich mehrheitlich so verhalten, dass sie sich und in Folge davon auch Andere einem Infektionsrisiko aussetzen und damit die Gesellschaft gesamtheitlich in ihrer Freiheit bedrohen.

Hätte diese Art von Eigenverantwortung in der Pandemie funktioniert, hätten wir nicht über Regeln und Vorschriften zur Pandemiebekämpfung diskutieren müssen, wie zum Beispiel das Covid-Gesetz. Es hätte auch kein Referendum gegen dieses Gesetz gegeben. Doch leider handeln Menschen nicht immer rational und schon gar nicht immer aufgrund einer optimalen Informationslage. Insbesondere dann nicht, wenn so viele Falschinformationen verbreitet werden, wie dies in der Pandemie der Fall war.

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die egozentrische Forderung nach maximaler individueller Freiheit und das resultierende rücksichtslose Verhalten während einer Pandemie besonders deutlich vor Augen führt, wie das Maximum an individueller Freiheit ein Maximum an gesamtgesellschaftlicher Freiheit bedroht oder verhindert und dadurch die Gesellschaft zwingt, die Freiheit des Individuums zugunsten der Freiheit der Gesellschaft einzuschränken.

Gleiches gilt übrigens nicht nur für die Pandemiebekämpfung, sondern auch beim Klimawandel, der die Freiheit zukünftiger Generationen massiv bedroht, beim Schutz der natürlichen Ressourcen und in vielen anderen Bereichen.

Aktuell kursieren insbesondere zu den folgenden Themen enorm viele Falschinformationen: Impfung, Klimawandel, 5G / Mobilfunk, Krieg in der Ukraine. Wer mehr darüber erfahren möchte, welche Falschinformationen kursieren, welche Strategien dahinter stecken und wie man sich davor schützen kann, sollten bei ReclaimTheFacts nachschauen, eine Plattform, die ich zusammen mit einer Kollegin aus Frankreich unterhalte.

Dort haben wir schon im Oktober 2020 davor gewarnt, dass das System Putin seit Jahren versucht, den Westen mit Desinformation zu destabilisieren.

Agri-Photovoltaik: Stromproduktion beim Gemüseanbau

Oben die Sonne anzapfen, unten Kartoffeln ernten: Mit Agri-Photovoltaik kann man grünen Strom und Lebensmittel auf derselben Fläche produzieren. Das wäre auch im Limmattal möglich.
— Weiterlesen www.nationalgeographic.de/wissenschaft/2022/03/agri-photovoltaik-stromproduktion-beim-gemueseanbau

Vertrauen ist gut, Vertrauen schaffen ist besser

Zum Internationalen Tag der Faktenüberprüfung ein paar Gedanken über die Wurzeln des Übels, das Faktenchecks überhaupt notwendig macht. Wieso braucht es überhaupt Faktenchecks?
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How Russia Is Using LinkedIn as a Tool of War

Has the Kremlin’s campaign to harass Putin’s critics on LinkedIn moved beyond the relative safety of the internet and into the streets?
— Weiterlesen www.newsweek.com/russia-putin-bots-linkedin-facebook-trump-clinton-kremlin-critics-poison-war-645696