Man mag zur Atomkraft stehen, wie man will. Man kann die Tatsachen ausklammern, dass Atomstrom der teuerste ist, dass kein Elektrizitätsbetreiber hierzulande ein neues AKW bauen will, dass die Endlagerung noch lange nicht gelöst ist und Atomstrom frühestens in 20 Jahren fliessen würde, wir Lösungen für Klimaschutz und Stromversorgung aber schon in wenigen Jahren brauchen. Über diese Sachdiskussion mag ich mich hier gar nicht auslassen. Man kann Atomkraft gut finden, aber was die Parteipräsidenten-Konferenz vorgestern beschlossen hat, ist…

politischer Selbstmord.

Dass die Führung einer Kantonalpartei vier Wochen vor den Wahlen im Kanton die Diskussion über eine derart – auch innerhalb der Partei – umstrittene Technologie öffentlich lostritt, ohne dass diese Technologie irgendein Problem lösen könnte, das kann man nicht einmal als dumm bezeichnen. Das Ausmass an Dummheit ist dermassen, dass es kein Wort dafür gibt. Ein Fall für den Darwin Award… Dümmer geht‘s nimmer…

Es ist nicht dumm, Atomkraft zu befürworten. Vielleicht sind ja nicht alle Fakten bekannt. Aber es ist mehr als dumm und für den Wahlkampf selbstmörderisch, die Rückkehr zu einer höchst umstrittenen Technologie öffentlich zu fordern, die kein einziges unserer drängendsten Probleme zu lösen in der Lage wäre, die aber gewaltig polarisiert und der GLP Stimmen bringt. Dümmer geht‘s nimmer…

Es ist auch deshalb selbstmörderisch, weil die Partei sich damit als unzuverlässig und unglaubwürdigkeit outet. Dümmer geht‘s nimmer.

Versorgungssicherheit brauchen wir jetzt, nicht erst in 20 Jahren

Und weil sie als Lösung für den in wenigen Jahren drohenden Stromengpass eine Technologie vorschlägt, die frühestens in 15-20 Jahren zur Verfügung steht. Dümmer geht’s nimmer…

Atomkraft ist nicht liberal

Wenn man von wenigen zentralen Stromlieferanten abhängig ist, hat man weniger Freiheitsgrade als bei einer Vielzahl kleiner Lieferanten. Dass das nicht einleuchtet, ist mir ein Rätsel. Was bitte sehr soll an Atomkraft liberal sein??? Dümmer geht‘s nimmer…

Die FDP war noch nie gegen Technologieverbote

Evidenz: FCKW, Atombomben, automatische Waffen im Privatbesitz usw. Verbote schädlicher Technologien werden durch die FDP nicht abgelehnt, wie diese und andere Beispiele beweisen. Wer damit argumentiert, die FDP sei gegen Verbote, zeigt damit nur: Dümmer geht‘s nimmer…

Das Geschwafel vom Technologieverbot ist reine Augenwischerei

…ewiggestriger Kreise innerhalb und ausserhalb der Partei, um weniger helle Zeitgenossen zu verführen und um gegenüber Anderen zu kaschieren, dass man Atomkraft eigentlich gut findet, es aber nicht offen sagen will, weil man sofort mit den Fakten bombardiert würde, die dagegen sprechen. Eigentlich ganz clever… Wenn das allerdings jemand glaubt, gilt: Dümmer geht‘s nimmer…

Nicht besser wird es dadurch, dass es nicht einmal ein Technologieverbot gibt. Die Schweiz hat kein einziges Gesetz, in dem sich ein Verbot von Atomkraft finden würde. [Nachtrag: diese Formulierung ist missverständlich. Natürlich regelt Art. 12a des Kernenergiegesetzes ein «Verbot des Erteilens der Rahmenbewilligung für Kernkraftwerke». Aber damit ist Atomkraft nicht verboten, nur die Nutzung der Atomkraft. Ich muss zugeben, dass das nicht unbedingt leicht zu verstehen und auf jeden Fall leicht missverständlich ist, wie eine Diskussion auf Twitter zeigte. Ich würde es rückblickend anders formulieren.] Der Ausstieg ist in der Energiestrategie 2050 enthalten. Eine Strategie ist oder enthält aber kein Verbot. Die Parteipräsidenten-Konferenz hat also die Abschaffung eines Verbots gefordert, das es gar nicht gibt… Dümmer geht‘s nimmer…

Nun liegt es an der Delegiertenversammlung, den Kurs zu korrigieren. Leider ein paar Wochen zu spät für die lokalen Wahlen im Kanton Zürich, wo die Dummheit ihren Anfang nahm. Dümmer geht‘s nimmer…

Wir müssen die Lösung nicht suchen, denn…

wir haben sie schon zur Hand: schneller und massiver Ausbau der kostengünstigsten Stromversorgung – Solarenergie – so weit, dass sie auch im Winter genug Strom liefert (die Flächen sind vorhanden) und Verwendung des dann vorhandenen enormen sommerlichen Überschussstroms zur Produktion von synthetischen Treibstoffen mittels Power-to-X-Technologie.

Diese Technologie ist schon 100 Jahre alt und wird bei industriellem Ausbau rasch viel günstiger. So können wir auch den Langstrecken-Flugverkehr defossilisieren und die Defossilisierung des Strassenverkehrs beschleunigen. Atomkraft sieht dagegen ganz alt aus.

 

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