Die Energiewende ist nicht nur eine technologische, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung. Der Ausbau erneuerbarer Energien wie Windkraft erfordert nicht nur Ingenieurleistungen, sondern auch Akzeptanz und Unterstützung in der Bevölkerung.
Doch Desinformation – gezielte Erfindung und Verbreitung falscher oder irreführender Behauptungen – erschwert diesen Prozess erheblich oder verhindert sogar den Bau der notwendigen Infrastrukturen.
Ein aktuelles Beispiel dafür liefert die Gemeinde Thundorf, wo der Widerstand gegen ein Windkraftprojekt zeigt, wie Manipulationstechniken und Falschinformationen den Fortschritt verzögern oder verhindern können.
Desinformation als Mittel gegen die Energiewende
In Thundorf kursierten Behauptungen, die entweder krass falsch oder stark verzerrt waren: von übertriebenen Umweltschäden über völlig frei erfundene Infraschallwellen bis hin zu falschen Behauptungen über finanzielle Risiken für Immobilienbesitzer.
Diese Narrative wurden oft durch manipulative Techniken verstärkt, etwa durch das Wiederholen emotional aufgeladener Aussagen oder die Berufung auf vermeintlich unabhängige Experten, deren Datenlage jedoch mehr als fragwürdig bis hin zu frei erfunden war.
Die Folge: Die öffentliche Meinung wurde polarisiert, rationale Diskussionen praktisch unmöglich gemacht, und die Zustimmung zum Windpark wurde atomisiert – obwohl die wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile für die Gemeinde eigentlich klar auf der Hand lagen. Aggressives Verhalten gegenüber Befürwortern tat dann sein übriges.
Beobachtet man das Vorgehen der Windkraftgegner an anderen Standorten, fällt auf, dass es überall nach dem gleichen Muster abläuft. Man findet überall die gleichen Falschbehauptungen, es werden massiv Ängste geschürt und ein vernünftiger Diskurs mit Aggression im Keim erstickt. Dahinter steckt eine Organisation, die landesweit operiert, sich vor Ort ängstliche Opfer sucht und diese dann mit den Falschinformationen und einer Blaupause für Negative Campaigning gegen neue Infrastrukturen versorgt und ausbildet. Bei 5G läuft es übrigens genau gleich…
Was muss in solchen Fällen sehr früh getan werden?
Eins vorneweg: das meiste von dem, was nun folgt, wurde in Thundorf getan. Vielleicht tat man es zu spät, vielleicht waren von Anfang an Hopfen und Malz verloren, weil die das Entkräften von Falschbehauptungen ironischerweise ein «Kampf gegen Windmühlen» ist. Kaum hat man eine Falschbehauptungen entkräftet, folgt schon die nächste. Die Gegner brauchten ja keine Fakten. Sie brauchen nur Phantasie…
1. Frühzeitige und transparente Kommunikation:
Projekte wie der Windpark in Thundorf erfordern eine proaktive Kommunikationsstrategie von Anfang an. Hätten die Projektverantwortlichen bereits in einer frühen Phase klar und umfassend über die Vorteile – etwa die finanziellen Einnahmen von bis zu CHF 450’000 pro Jahr für die Gemeinde – sowie über mögliche Bedenken und zu erwartende Falschbehauptungen und Desinformationstechniken informiert, wäre eher eine Grundlage für Vertrauen gelegt und den Gegnern der Wind aus den Segeln genommen worden (Strategischer Campaigning Grundsatz Nr. 2).

2. Gezielte Aufklärung gegen Mythen:
Viele Missverständnisse über Windkraft, wie etwa völlig frei erfundene gesundheitsschädliche Auswirkungen oder die Zerstörung von Natur, sind gut dokumentiert. Eine gezielte Aufklärungskampagne mit unabhängigen Experten, verständlichen Infomaterialien und öffentlichen Dialog-Veranstaltungen hätte vielleicht helfen können, diese Mythen frühzeitig zu entkräften. Danach muss man dann aber dranbleiben.
3. Lokale Akteure einbinden:
Menschen vertrauen vor allem den Stimmen aus ihrer eigenen Gemeinschaft. Es ist entscheidend, lokale Meinungsführer wie Gemeinderäte, Landwirte oder andere bekannte Persönlichkeiten frühzeitig einzubinden, um die Unterstützung in der Bevölkerung zu erhöhen. In Thundorf tat man das vielleicht zu spät.
4. Emotionale Narrative nutzen:
Gegner der Windkraft setzen oft auf emotionale Argumente, die Ängste oder nostalgische Gefühle ansprechen. Dem kann man mit positiven, inspirierenden Geschichten begegnen – etwa durch das Aufzeigen, wie die Einnahmen aus dem Projekt langfristig in Nachhaltigkeitsprojekte und Projekte für die Gemeinschaft investiert werden könnten, um die Zukunft der Gemeinde zu verbessern. (Auch dies wurde in Thundorf versucht, jedoch recht spät und zeigte keine Wirkung mehr. Die Gegner schafften es – nachdem sie das Terrain schon gut beackert hatten – auch gegen diese Projektfinanzierung zugunsten der Gemeinde Emotionen zu schüren. An anderen Standorten sollte man dies früher versuchen. )
Fazit: gegen Desinformation hilft nur Impfen
Das Beispiel Thundorf zeigt, wie schädlich Desinformation für die Energiewende sein kann. Doch es bietet auch wertvolle Lektionen: Proaktive, faktenbasierte und empathische Kommunikation ist essenziell, um solchen Herausforderungen zu begegnen. Studien zeigen zudem, dass der beste Schutz gegen Desinformation darin besteht, die Bevölkerung über die zu erwartenden Desinformations- und Manipulationstechniken aufzuklären. (Um dies zu erleichtern arbeiten wir im Rahmen von ReclaimTheFacts gerade an einem Desinformations-Handbuch, das wir sobald wie möglich wollen.)
Die Energiewende kann nur gelingen, wenn die Bevölkerung nicht nur informiert, sondern auch überzeugt ist. Denn die besten Technologien nützen wenig, wenn sie an der Angst vor dem Unbekannten scheitern.
Mr. Campaigning – Gemeinsam für bessere Kampagnen für eine nachhaltige Zukunft.
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