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Die 80/20-Regel im KI-Campaigning: Welche Aufgaben Sie delegieren sollten – und welche niemals

Campaigning mit Künstlicher Intelligenz

Die Frage, die niemand ehrlich beantwortet

Ich habe in den letzten zwei Jahren mit Dutzenden von Campaignern gesprochen. Mit Parteisekretären, Kampagnenleiterinnen, Kommunikationschefs von NGOs, PR-Beratern, Verbandsvertretern. Eine Frage kam in fast jedem Gespräch vor – mal offen, mal verschämt:

«Kann mich KI eigentlich ersetzen?»

Meistens verpackt in rhetorische Wendungen: «Also ich finde ja, da braucht es schon Erfahrung…» oder «Das kann eine Maschine halt nicht, dieses Bauchgefühl…». Manchmal aber auch direkt, mit nervösem Lachen: «Soll ich mich schon mal nach was Neuem umsehen?»

Die ehrliche Antwort ist: Nein. Aber sie lautet auch nicht: Keine Sorge, alles bleibt wie bisher.

Die ehrliche Antwort ist komplizierter – und sie folgt einem klaren Muster. Einem Muster, das ich in über 40 Jahren Campaigning schon mehrfach gesehen habe: zuerst mit dem Einzug von E-Mail, dann mit dem Web, dann mit Social Media und zuletzt mit Chatbots. Jede dieser Wellen kam mit denselben drei Reaktionen – zuerst Hohn, dann Skepsis, dann Nachzügler-Panik. Und dieses Muster heisst: Etwa 80 Prozent der Arbeit, die Sie heute tun, lässt sich mit KI radikal beschleunigen, vereinfachen oder ganz delegieren. Die restlichen 20 Prozent hingegen werden nicht nur wichtiger – sie werden zum eigentlichen Wettbewerbsvorteil.

Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie die Trennlinie verläuft. Und warum die Frage «Ersetzt KI uns?» die falsche ist. Die richtige Frage lautet: Welche 20 Prozent Ihrer Arbeit sind es wert, dass Sie Ihre ganze Energie hineinlegen – jetzt, wo Sie die anderen 80 Prozent nicht mehr selbst machen müssen?

Ein kurzer Hinweis zur Einordnung: Ich arbeite seit 2017 mit Künstlicher Intelligenz im Campaigning. Das heisst: nicht erst seit ChatGPT 2022 den Markt aufgemischt hat und plötzlich alle darüber reden. Sondern aus der Zeit, in der man KI noch mühsam selbst trainieren oder auf klobige APIs zugreifen musste. Was ich Dir im Folgenden sage, ist nicht aus Artikeln zusammengeschrieben. Es stammt aus acht Jahren produktiver Anwendung – mit allen Sackgassen, Überraschungen und unbequemen Lerneffekten, die dazugehören.

Warum die 80/20-Regel im Campaigning überhaupt greift

Vilfredo Pareto, ein italienischer Ökonom, beobachtete Anfang des 20. Jahrhunderts, dass 80 Prozent des Bodenbesitzes in Italien 20 Prozent der Bevölkerung gehörten. Später verallgemeinerte Richard Koch dieses Prinzip: In vielen Systemen erzeugen wenige Ursachen die meisten Wirkungen.

Im Campaigning zeigt sich dieses Muster besonders deutlich – aber auf eine Weise, die uns selten bewusst ist. Rund 80 Prozent unserer Arbeitszeit fliesst in Aufgaben, die repetitiv, strukturierbar und mustererkennbar sind. Die restlichen 20 Prozent bestehen aus Tätigkeiten, die echte menschliche Urteilskraft, strategisches Denken, Beziehungsarbeit und ethische Abwägung erfordern.

Das Problem: Diese Verteilung war lange Zeit unveränderlich. Weil niemand die 80 Prozent für uns erledigen konnte. Wir mussten Rohtexte schreiben, Recherchen sortieren, Medienspiegel erstellen, Daten aufbereiten, Präsentationen formatieren, Protokolle tippen, E-Mails beantworten, Social-Media-Posts variieren – weil es sonst niemand tat.

Mit generativer KI verschiebt sich diese Verteilung zum ersten Mal grundlegend. Nicht weil KI plötzlich die 20 Prozent übernehmen könnte – das kann sie nicht, und sie wird es in absehbarer Zeit auch nicht können. Sondern weil sie die 80 Prozent dramatisch verbilligt, beschleunigt und industrialisiert.

Die Konsequenz ist unbequem: Wer seine Zeit weiterhin mit den 80 Prozent verbringt, arbeitet ab sofort doppelt so teuer wie seine Konkurrenz. Wer hingegen seine Energie konsequent auf die 20 Prozent fokussiert, wird überproportional produktiver.

Das ist keine graduelle Verbesserung. Das ist ein Phasenübergang.

Die 80 Prozent: Was KI heute zuverlässig übernimmt

Lassen Sie mich konkret werden. Hier sind die Aufgaben, die KI-Systeme wie ChatGPT, Claude oder Gemini heute bereits so gut erledigen, dass ein Mensch daran nur noch verfeinern sollte – nicht mehr neu produzieren.

1. Argumentarien strukturieren

Ein klassisches Argumentarium für eine Abstimmungskampagne: Pro-Argumente, Kontra-Argumente, Widerlegungen, Quellen, Talking Points für verschiedene Zielgruppen. Das dauert in klassischer Arbeit einen ganzen Tag. Mit KI: zwei Stunden – inklusive sorgfältiger Überarbeitung.

Der Arbeitsablauf funktioniert so: Du gibst dem System die Abstimmungsvorlage, die Position Deiner Organisation und relevante Hintergrunddokumente. Du bittest um eine erste Gliederung der Argumente, strukturiert nach Zielgruppen. Dann iterierst Du – schärfst, widersprichst, lässt alternative Formulierungen generieren. Am Ende hast Du ein Dokument, das inhaltlich zu 80 Prozent steht. Die verbleibenden 20 Prozent – der eigentliche politische Instinkt, die Anpassung an den aktuellen Diskurs, die Entscheidung, welches Argument wir bewusst nicht verwenden – bleibt bei Dir.

2. Medienmitteilungen entwerfen

Eine Medienmitteilung folgt einer erstaunlich stabilen Dramaturgie: Hook, Zitat der Hauptperson, Kontext, zweites Zitat, Handlungsaufforderung, Boilerplate. Wer schon 200 Medienmitteilungen geschrieben hat, weiss, wie das geht. Genau deshalb kann KI es inzwischen auch.

Die realistische Zeitersparnis: Statt vier bis sechs Stunden für eine sorgfältig ausgearbeitete Medienmitteilung brauchst Du 30 bis 60 Minuten. Vorausgesetzt, Du weisst, welche inhaltliche Pointe Du setzen willst – das ist die Aufgabe, die Dir bleibt.

3. Content-Variation für verschiedene Kanäle

14:48Claude hat geantwortet: Ein Kernargument muss heute auf LinkedIn, Facebook, Instagram, X, möglicherweise TikTok, im Newsletter und vielleicht noch als Kurzvideo-Skript funktionieren.Ein Kernargument muss heute auf LinkedIn, Facebook, Instagram, X, möglicherweise TikTok, im Newsletter und vielleicht noch als Kurzvideo-Skript funktionieren. Jeder Kanal hat andere Konventionen: Länge, Ton, Struktur, Hashtag-Logik.


Das war bisher eine Sisyphusarbeit. Heute generierst Du aus einem Ausgangstext in zehn Minuten sieben kanalspezifische Varianten. Natürlich musst Du jede noch prüfen und nachjustieren – aber Du startest nicht mehr bei Null.

4. Transkription und Protokollierung

Ein einstündiges Strategiemeeting transkribieren und in ein verwertbares Protokoll überführen: früher ein halber Arbeitstag. Heute: Aufnahme hochladen, KI-Tool läuft, in 20 Minuten haben Sie eine Transkription plus strukturierte Zusammenfassung plus herausgearbeitete Entscheide und Aufgaben.

5. Recherche-Aufbereitung und Quellensichtung

Du musst zu einem neuen Politikfeld schnell auf Niveau kommen. Früher: drei Tage Papers lesen, Notizen machen, sortieren. Heute: Du lädst die relevanten Dokumente in eine KI hoch, lässt Zusammenfassungen erstellen, lässt Kontroversen identifizieren, lässt Dir durch Nachfragen ein verdichtetes Bild erarbeiten. Ein halber Tag statt drei Tage – bei vergleichbarer Qualität.

Wichtig: KI ersetzt hier nicht die eigene Lektüre der Schlüsseltexte. Aber sie ersetzt die 80 Prozent Sekundärliteratur, die Du ohnehin nur gescannt hättest.

6. Systematische Gegner-Analyse

Was hat die Gegenseite in den letzten sechs Monaten öffentlich zu einem Thema gesagt? Welche Argumentationsmuster verwendet sie? Wo widerspricht sie sich? Das war früher mühsame Handarbeit – oft so mühsam, dass es unterblieb. Heute ist es eine strukturierte Analyseaufgabe, die KI in wenigen Stunden liefert.

7. Erste Entwürfe von Reden, Statements, Social-Media-Kampagnen

Der berüchtigte erste Entwurf. Das, wovor man sich drückt. Das, was am längsten dauert. Die leere Seite.

KI beseitigt die leere Seite. Sie liefert einen ersten, oft mittelmässigen Entwurf – und genau das ist sein Wert. Weil es immer leichter ist, etwas Bestehendes zu verbessern als etwas Neues zu beginnen. Die Zeitersparnis hier ist nicht 50 Prozent. Sie ist oft 70 bis 80 Prozent.

8. Zielgruppen-Personas und Message-Testing

Wie spricht ein 55-jähriger KMU-Besitzer aus dem Aargau über Gesundheitspolitik? Welche Worte löst er innerlich aus, wenn er «Krankenkasse» hört, welche bei «Gesundheitsversorgung»? Was fürchtet er, was erhofft er sich?

Solche Persona-Analysen liefern KI-Systeme heute in beachtlicher Qualität – nicht empirisch korrekt wie eine echte Fokusgruppe, aber brauchbar als Ausgangspunkt für erste Messaging-Tests.

Die 20 Prozent: Was KI nicht kann – und auch morgen nicht können wird

Jetzt wird es wichtig. Denn die Versuchung ist gross, auch die 20 Prozent zu delegieren. Wer das tut, produziert Kampagnen, die wie jede andere aussehen. Und mittelmässige Kampagnen verlieren.

Hier sind die Aufgaben, die Du behalten musst – und warum.

1. Die strategische Grundentscheidung

Was ist die Frage, auf die wir eine Antwort geben?

Das ist die wichtigste Frage jeder Kampagne. Und sie lässt sich nicht an eine KI delegieren. Denn sie setzt voraus, dass Sie den politischen Raum lesen, die Stimmung im Land spüren, die Machtkonstellationen verstehen, die verdeckten Interessen kennen, das historisch Mögliche vom Wünschbaren trennen können.

KI kann Dir helfen, Optionen zu sortieren. Sie kann Szenarien durchspielen. Aber die Entscheidung: Auf dieser Hügelkette werden wir kämpfen, auf den anderen nicht – diese Entscheidung gehört einem Menschen mit Erfahrung, Verantwortung und Urteilskraft.

2. Die Wahl des richtigen Zeitpunkts

Timing ist alles im Campaigning. Der perfekte Moment für eine Forderung ist nicht einfach berechenbar. Er entsteht aus einer Kombination aus Nachrichtenlage, politischer Konstellation, gesellschaftlicher Stimmung, Ermüdung der Gegenseite, eigenen Ressourcen und dem Gefühl, dass jetzt die Zeit reif ist.

Dieses Gefühl hat man nicht, weil man ein Datenmodell geprüft hat. Man hat es, weil man jahrelang beobachtet, gespürt, kalibriert hat. KI kann Signale liefern. Aber das Urteil «Jetzt» bleibt beim Menschen.

3. Die echte Beziehungsarbeit

Eine Ständerätin anrufen und für eine unpopuläre Position gewinnen. Eine skeptische Journalistin in einem vertraulichen Gespräch überzeugen, dass Ihre Geschichte wichtig ist. Einen unzufriedenen Grossspender bei einem Abendessen zurückholen. Einen streikenden Aktivistenflügel zur Disziplin verpflichten.

Das ist Campaigning. Und davon kann KI überhaupt nichts. Weil es auf Vertrauen, Präsenz, Verbindlichkeit und biografischer Tiefe beruht. Auf Dingen, die sich nicht simulieren lassen – oder präziser: die sich zwar simulieren liessen, aber deren Simulation wertlos wäre.

4. Die ethische Abwägung in Grenzfällen

Dürfen wir diese Information verwenden, auch wenn ihre Herkunft unklar ist? Wie weit gehen wir mit der Zuspitzung, bevor es zur Verleumdung wird? Akzeptieren wir diesen Verbündeten, auch wenn seine Methoden fragwürdig sind? Schützen wir diese Whistleblowerin, auch wenn es uns schaden könnte?

Das sind ethische Entscheidungen. KI kann Argumente für und wider abwägen. Aber sie kann keine Verantwortung übernehmen. Verantwortung setzt voraus, dass man die Konsequenzen trägt – auch juristisch, beruflich, persönlich. KI trägt nichts. Sie liefert Text.

5. Die Dramaturgie über längere Zeiträume

Eine gute Kampagne ist wie ein Roman: Sie hat einen Bogen. Expositionen, Konflikte, Wendepunkte, Klimax, Auflösung. Über Monate oder Jahre hinweg.

KI operiert bisher weitgehend punktuell. Sie kann einzelne Szenen gut gestalten. Aber die Komposition des Ganzen – wann wir welche Karte spielen, wie wir Überraschung inszenieren, wie wir Spannung aufbauen, wann wir dem Gegner Raum lassen, um ihn später zu nutzen – das bleibt menschliche Regiearbeit.

6. Die Einschätzung von Macht

Wer hat wirklich den Einfluss, dieses Dossier zu bewegen? Wer ist formell zuständig, aber real ohnmächtig? Wer ist offiziell unbeteiligt, aber insgeheim entscheidend? Wer hat welches Interesse, welche Achillesferse, welche Loyalitätsbindung?

Solche Machtlandkarten entstehen nicht aus öffentlich verfügbaren Daten. Sie entstehen aus langjähriger Teilnahme am politischen Geschehen. Sie sind in hohem Mass implizit. KI kann sie nicht zeichnen – weil ihr die Information fehlt, die nicht im Internet steht.

7. Der Mut zur unpopulären Wahrheit

Manchmal braucht eine Kampagne einen Moment, in dem jemand dem eigenen Auftraggeber sagt: So nicht. Das geht nach hinten los. Wir ändern die Strategie. Oder: Diese Position ist unhaltbar, wir müssen Abbitte leisten.

KI wird Dir das nicht sagen. Sie wird Dir helfen, die aktuelle Position bestmöglich zu verkaufen. Der innere Widerstand, die intellektuelle Redlichkeit, das berufsethische Rückgrat – das sind menschliche Eigenschaften. Und im Campaigning sind sie gold wert.

Der konkrete Test: Drei Fragen, die Du Dir stellen solltest

Wenn Du eine Aufgabe vor Dir hast und überlegst, ob Du sie delegieren sollst, frag Dich:

Erstens: Ist die Aufgabe strukturierbar? Lässt sie sich in einen Prompt, eine Anweisung, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung überführen? Wenn ja, ist sie ein Kandidat für KI.

Zweitens: Ist das Ergebnis überprüfbar?Kannst Du in wenigen Minuten erkennen, ob die KI einen brauchbaren oder einen schlechten Output geliefert hat? Wenn ja, ist das Risiko überschaubar. Wenn die Überprüfung schwieriger wäre als die eigene Erarbeitung, ist KI hier nicht Dein Freund.

Drittens: Liegt die wertvolle Arbeit im Prozess oder im Ergebnis? Manchmal ist das Recherchieren selbst das Wesentliche – weil Du dabei die Zusammenhänge verstehen lernst, die Du später intuitiv abrufst. In solchen Fällen schadet Delegation. In anderen Fällen willst Du nur das Ergebnis. Dann delegierst Du.

Diese drei Fragen – Strukturierbarkeit, Überprüfbarkeit, Prozess-vs-Ergebnis – sind Dein Kompass. Jede dieser Fragen zu beantworten, kostet Dich zehn Sekunden. Aber richtig angewandt spart Dir dieser Kompass jedes Quartal Wochen an verschwendeter Zeit.

Was bedeutet das für Ihren Arbeitsalltag?

Früher war es richtig, viel Zeit in die 80 Prozent zu investieren, weil sie den grössten Teil Deiner Arbeit ausmachten und niemand sie Dir abnehmen konnte. Heute ist das Gegenteil richtig. Je schneller Du die 80 Prozent mit KI erledigst, desto mehr Zeit bleibt Dir für die 20 Prozent, auf die es wirklich ankommt.

Das fühlt sich am Anfang falsch an. Denn wir sind darauf trainiert, uns an der sichtbaren Arbeit zu messen: an Entwürfen, Texten, Papieren, produzierten Outputs. Wer hingegen zwei Stunden am Tag im Café sitzt und nachdenkt – aber dadurch bessere strategische Entscheidungen trifft – wirkt in der herkömmlichen Logik unproduktiv.

Die neue Logik lautet: Produktivität in der 80-Prozent-Zone wird mit KI zur Selbstverständlichkeit. Den Unterschied macht die Qualität Ihrer Entscheidungen in der 20-Prozent-Zone.

Das bedeutet aber auch, dass die Arbeit in der 20-Prozent-Zone anspruchsvoller wird. Du hast keine Ausrede mehr. Du kannst Dich nicht mehr hinter dem Argument verstecken, Du hättest keine Zeit für Strategie, weil Du die Medienmitteilung schreiben musstest. Die Medienmitteilung schreibt jetzt die KI. Was machst Du?

Die Wettbewerbsdynamik: Warum Du nicht warten kannst

Ein letzter Punkt, der oft übersehen wird: Die 80/20-Regel wirkt nicht nur in Deinem eigenen Arbeitsalltag. Sie wirkt im gesamten Markt.

Wenn alle Deine Mitbewerber, alle Deine politischen Gegnerinnen, alle Organisationen im gleichen Feld zunehmend KI einsetzen – dann sinken die Produktionskosten für Standard-Campaigning dramatisch. Was früher aufwendig war, ist plötzlich trivial. Was früher einen Profi erforderte, macht heute eine Praktikantin mit ChatGPT.

Die Konsequenz: Die Grundqualität des durchschnittlichen Outputs steigt. Was früher mittelmässig war, ist jetzt die neue Baseline. Was früher gut war, ist jetzt Durchschnitt. Was wirklich heraussticht, muss in der 20-Prozent-Zone liegen – bei der strategischen Schärfe, beim Timing, bei der Beziehungsarbeit, beim Mut.

Wer heute nicht in seine 20-Prozent-Kompetenzen investiert, wird in zwei Jahren mit Kampagnen dastehen, die technisch korrekt, aber strategisch verwechselbar sind. Und verwechselbar verliert.

Drei Dinge, die Du ab morgen ändern kannst

Du musst nicht Deinen ganzen Arbeitsalltag umstellen. Aber drei konkrete Dinge solltest Du ab morgen anders machen:

Erstens: Führe ein 80/20-Tagebuch. Notiere eine Woche lang nach jeder grösseren Aufgabe: War das 80-Prozent-Arbeit oder 20-Prozent-Arbeit? Nach sieben Tagen siehst Du schwarz auf weiss, wie Deine Zeit sich verteilt – und wo das Delegations-Potenzial liegt.

Zweitens: Delegier bewusst drei Aufgaben pro Woche an KI. Nicht alles auf einmal. Drei Aufgaben. Pro Woche. Beobachte, was gut funktioniert und was nicht. Nach einem Monat hast Du ein klares Gefühl dafür, welche Deiner Aufgaben wirklich KI-geeignet sind.

Drittens: Block jede Woche vier Stunden 20-Prozent-Zeit. Das ist Zeit ohne Mails, ohne Tasks, ohne Output-Druck. Nur für Strategie, Nachdenken, Gespräche mit Schlüsselpersonen, Dramaturgie-Arbeit. Das ist die Zeit, in der Dein eigentlicher Wert entsteht. Und sie ist das Erste, was verschwindet, wenn Du sie nicht verteidigst.

Die Frage, die bleibt

Zurück zur Anfangsfrage: «Kann mich KI ersetzen?»

Die ehrliche Antwort ist: KI kann Dich nicht ersetzen. Aber ein Campaigner, der KI versteht, kann Dich ersetzen. Weil er die 80 Prozent in der halben Zeit erledigt und die restliche Zeit in die 20 Prozent steckt, die wirklich den Unterschied machen.

Das ist keine Drohung. Das ist eine Einladung. Du entscheidest jetzt, auf welcher Seite dieser Veränderung Du stehen willst.


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Peter Metzinger ist seit 1982 im Campaigning tätig und begleitet seither jede grosse technologische Umwälzung in diesem Feld – von den ersten Fax-Kampagnen über E-Mail und Web 2.0 bis zu Social Media und Chatbots. Künstliche Intelligenz setzt er seit 2017 produktiv im Campaigning ein. Er ist der Gründer von Business Campaigning und lebt in Zürich.

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