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Was machst du mit der Zeit, die KI dir schenkt? – Vier Anlageklassen für die KI-Dividende.

Die Frage, die ich dir heute stellen möchte, klingt zunächst harmlos. Sie ist es nicht.

Was machst du mit der Zeit, die KI dir schenkt?

Wenn ich diese Frage Campaignern, Kommunikationsverantwortlichen, Public-Affairs-Profis stelle,  antworten die meisten: „Ehrlich gesagt – ich produziere einfach schneller mehr. Mehr Content. Mehr Argumentarien. Mehr Reaktionen.“

Und genau hier liegt der strategische Denkfehler unserer Zunft im Jahr 2026.

Die Produktivitätsrevolution ist vorbei. Die Frage danach beginnt.

Vor drei Jahren war die Lage eindeutig: Wer KI im Campaigning einsetzte, hatte einen Wettbewerbsvorteil. Argumentarien in zwei Stunden statt zwei Tagen. Medienmitteilungen in Minuten statt Stunden. Konkurrenzanalysen, die früher Wochen brauchten, lieferten Ergebnisse über Nacht.

Das war ein echter Hebel. Und du hast ihn vermutlich längst gezogen.

Heute sieht die Situation anders aus. Wer Campaigning, Marketing oder Public Affairs auf Profi-Niveau betreibt, nutzt KI täglich. ChatGPT, Claude, Perplexity – die Werkzeuge sind nicht mehr exotisch, sondern Standard. Die Effizienzgewinne, die vor zwei Jahren noch als Wettbewerbsvorteil galten, sind heute Tischniveau. Sie gehören zur Grundausstattung, nicht zur Spitzenleistung.

Was aber bedeutet das? Wenn alle in derselben Geschwindigkeit produzieren – wer gewinnt dann noch?

Mehr Output ist nicht mehr Wirkung

Eine Beobachtung, die ich in den letzten Monaten in vielen Mandaten gemacht habe: Organisationen, die KI nutzen, produzieren in der Tat deutlich mehr. Mehr Posts. Mehr Newsletter. Mehr Argumentarien. Mehr Grafiken. Mehr Reaktionen. Die Content-Pipelines sind voller denn je.

Aber die Wirkung dieser Kampagnen ist nicht proportional gestiegen. In manchen Fällen ist sie gesunken.

Der Grund ist strukturell. Wenn alle Akteure in einer Arena gleichzeitig vier Mal schneller produzieren, vervierfacht sich nicht die Wirkung pro Akteur, sondern der Lärmpegel der Arena. Die Aufmerksamkeit der Zielgruppen ist eine endliche Ressource. Sie skaliert nicht mit der Produktionsgeschwindigkeit ihrer Aufmerksamkeits-Konkurrenten.

Anders gesagt: Die Hebel haben sich verschoben. Vor drei Jahren war Produktionsgeschwindigkeit ein Differenzierungsmerkmal. Heute ist sie eine Voraussetzung. Wer nicht in dieser Geschwindigkeit produzieren kann, fällt aus dem Spiel. Aber wer nur schneller produziert, gewinnt nicht auch unbedingt.

Die KI-Dividende: Eine neue strategische Ressource

Bleiben wir bei der Mathematik. Wenn du ein Argumentarium früher in einem Tag erstellt hast und es heute in zwei Stunden tust, ergibt das sechs Stunden Zeitgewinn. Multipliziert mit der Häufigkeit dieser und ähnlicher Aufgaben pro Quartal, kommst du schnell auf acht bis zwölf gewonnene Arbeitstage.

Diese acht bis zwölf Tage sind das, was ich die KI-Dividende nenne.

Eine Dividende ist eine Ausschüttung, die nicht reinvestiert werden muss, sondern bewusst eingesetzt werden kann. Genau das ist die Pointe: Was du mit dieser Dividende tust, entscheidet, ob KI für dich einen linearen oder einen exponentiellen Nutzen erzeugt.

Die meisten Campaigner reinvestieren diese Dividende automatisch in dasselbe Geschäft, das sie vorher gemacht haben: mehr Produktion. Das ist die naheliegende, aber strategisch schwächste Verwendung.

Die exponentielle Verwendung sieht anders aus.

Vier Anlageklassen für die KI-Dividende

Wenn du die KI-Dividende strategisch nutzen willst, gibt es vier Bereiche, in die sich die gewonnene Zeit besonders lohnend investieren lässt. Sie sind nicht exklusiv, aber in ihrer Wirkung verblüffend.

1. Tiefere Analyse der Akteure und der Arena

Jede Kampagne findet in einer Arena statt, in der verschiedene Akteure mit unterschiedlichen Interessen, Ressourcen und Strategien agieren. In den meisten Kampagnen, die ich begleite, ist die Akteurs-Analyse oberflächlich. Nicht weil sie nicht wichtig wäre, sondern weil sie aufwendig ist und der operative Druck keine Zeit lässt.

Mit der KI-Dividende ist diese Begründung weggefallen. Du hast jetzt die Zeit, die Akteure tiefer zu verstehen: ihre Motivlagen, ihre Allianzen, ihre Vorgeschichte, ihre Schwachstellen, ihre wahrscheinlichen Reaktionen. Diese Tiefe macht den Unterschied zwischen einer Kampagne, die generisch in den Lärm passt, und einer, die präzise dort wirkt, wo es zählt.

KI kann diese Tiefe nicht erzeugen – aber sie kann den Weg dahin radikal verkürzen, indem sie das Rohmaterial liefert, das du dann strategisch durchdringst. Geh‘ raus ins Feld, lass‘ die KI währenddessen für Dich arbeiten und rede wieder mehr mit Menschen. 

2. Schärfere Narrative

Narrative sind das, was Aufmerksamkeit in Bewegung verwandelt. Sie sind gleichzeitig das, was am schwersten zu fassen ist. Ein gutes Narrativ entsteht selten am Schreibtisch beim ersten Wurf. Es entsteht durch wiederholtes Testen, Verwerfen, Schärfen. Genau für diese iterative Arbeit fehlt im normalen Campaigning-Alltag die Zeit.

Mit der KI-Dividende ist diese Iteration möglich. Du kannst drei verschiedene Narrative entwickeln, durchspielen, mit Stakeholdern besprechen, anpassen. Du kannst Gegenargumente vorab durchdenken. Du kannst prüfen, wie ein Narrativ in verschiedenen Milieus landet.

Das Ergebnis ist nicht ein schnelleres, sondern ein schärferes Narrativ. Eines, das im Lärm der Arena hängenbleibt, weil es genau die richtige Spannung trägt. Geh‘ raus ins Feld, leite die KI über Dein Handy an, damit sie die operativen Tätigkeiten richtig ausführt. Rede wieder mehr mit Menschen. 

3. Strategische Recherche, für die du vorher nie Zeit hattest

Jeder Campaigner kennt das Gefühl: Du läufst mit einer Kampagne los, weil der Termindruck es verlangt, obwohl du weisst, dass die Recherche eigentlich tiefer hätte gehen müssen. Welche ähnlichen Kampagnen gab es schon? Wie sind sie gelaufen? Was hat funktioniert, was nicht? Welche Daten gibt es zur Zielgruppe, die du noch nicht eingesehen hast?

Die KI-Dividende macht diese Tiefen-Recherche möglich. Nicht im Sinne, dass KI dir die Recherche abnimmt – sondern dass sie die Zeit freispielt, die du für Recherche brauchst. Und manchmal liefert sie das Rohmaterial in Stunden, für das du früher Wochen benötigt hättest.

Eine Kampagne, die auf wirklich tiefer Recherche aufsetzt, hat eine andere Qualität als eine, die auf Annahmen basiert. Sie ist robuster gegen Angriffe. Sie ist präziser im Targeting. Sie lässt sich besser gegenüber Stakeholdern begründen.

Recherchiere selbst, lass‘ die KI recherchieren und dann schau aus dem Fenster und lass‘ die Gedanken schweifen. So sieht laut Mihaly Csikszentmihalyi der Kreativitätsprozess von Nobelpreisträgern aus und entstehen die besten Ideen. 

4. Tests und Iteration, bevor du in den Markt gehst

Die teuerste Variante eines Fehlers in einer Kampagne ist der öffentliche Fehler. Eine Botschaft, die anders ankommt als gedacht. Ein Visual, das die falsche Assoziation weckt. Eine Position, die in der Gegenrede stark erscheint, aber in der Praxis nicht durchhält.

Mit der KI-Dividende kannst du diese Fehler vorab testen. Nicht durch teure Studien, sondern durch strukturierte Vorab-Iterationen: Wie reagiert die Gegenseite wahrscheinlich? Welche Schwachstellen hat unser Argument? Wie liest sich dieser Text aus drei verschiedenen Perspektiven?

Das ist keine Garantie gegen Fehler. Aber es ist der Unterschied zwischen einer Kampagne, die mit 70 Prozent Sicherheit launcht, und einer, die mit 90 Prozent Sicherheit launcht. Ein scheinbar kleiner Unterschied, der in der Wirkung dramatisch ist.

Warum die meisten diese Dividende verschenken

Wenn die Logik so eindeutig ist – warum tun es dann so wenige?

Die ehrliche Antwort ist: weil das alte Muster funktioniert. Wer in der Vergangenheit „viel Content produziert“ als Erfolg verstanden hat, fällt automatisch wieder in dieses Muster, sobald KI mehr Produktion ermöglicht. Oder weil sie nicht die Wirkung messen. Oder weil sie an der Menge Output gemessen werden, aber nicht an der effektiven Wirkung, die der Output erzeugen sollte. Die Frage „Was könnten wir eigentlich Besseres tun?“ stellt sich gar nicht, weil das alte Muster nicht in Frage gestellt wird.

Hinzu kommt eine zweite, subtilere Dynamik: Produktion ist sichtbar, Strategie nicht. Wer mehr produziert, kann das vorzeigen – dem Vorstand, der Geschäftsleitung, dem Kunden. Wer mehr strategisch denkt, sitzt mit einem Notizbuch in einem Café. Das lässt sich schwerer rechtfertigen, obwohl es vermutlich wertvoller ist.

Genau hier liegt eine der versteckten Führungsaufgaben in der KI-Transformation des Campaignings: Sichtbar machen, dass strategisches Denken keine Untätigkeit ist, sondern die wertvollste Aktivität in einer Welt, in der die Produktion zur Commodity geworden ist.

Eine Frage, die jede Campaigning-Organisation jetzt beantworten sollte

Bevor du diesen Artikel schliesst, möchte ich dir eine Frage zur Selbstreflexion mitgeben – eine Frage, die ich auch in den nächsten Mandaten stellen werde, und die in der Masterclass am 17. September in Zürich im Mittelpunkt steht:

Wenn ich in den letzten drei Monaten zwischen acht und zwölf Arbeitstage durch KI-Einsatz eingespart habe – was habe ich konkret mit dieser Zeit gemacht? Und wenn die Antwort ehrlich lautet: „mehr produziert“ – was hätte ich strategisch stattdessen tun können?

Diese Frage tut weh, wenn man ehrlich antwortet. Aber sie ist die wichtigste Frage, die sich Campaigner im Jahr 2026 stellen können. Weil die Antwort darüber entscheidet, ob die KI-Revolution für dich ein linearer Produktivitätsgewinn bleibt – oder ob sie zum Sprungbrett wird, von dem aus du strategisch eine neue Liga betrittst.

Der Unterschied zwischen den beiden Wegen ist nicht technisch. Er ist konzeptionell. Und er entscheidet sich genau jetzt.

Vom Verstehen zum Tun

Wenn du an diesem Punkt nickst – weil du die Spannung kennst zwischen „ich nutze KI täglich“ und „ich frage mich, ob das, was ich damit tue, wirklich strategisch ist“ – dann ist die Masterclass „Strategisches Campaigning im KI-Zeitalter“ am 17. September 2026 in Zürich vermutlich genau das, was dir fehlt.

Es ist ein Tag, an dem bis zu zwölf erfahrene Campaigner ihre eigenen Fälle mitbringen und gemeinsam herausarbeiten, wo bei ihnen die echten Hebel liegen – und wie sie die KI-Dividende strategisch nutzen, statt sie in mehr Produktion zu verwandeln.

Der Early-Bird-Tarif von CHF 1’190 gilt bis zum 12. Juli 2026. Ab dem 13. Juli greift der Standard-Tarif von CHF 1’490, ab dem 7. September der Last-Minute-Tarif von CHF 1’790. Bei nur zwölf Plätzen entscheidet häufig die Reihenfolge der Anmeldung – nicht erst der Stichtag. Wenn du noch unsicher bist, ob die Masterclass das Richtige für dich ist, schau dir den Abschnitt „Für wen die Masterclass gemacht ist – und für wen ausdrücklich nicht“ auf der Masterclass-Seite an. Er ist deutlich formuliert. Wer dort dreimal nickt, ist richtig.

Bei Fragen schreib mir direkt an info@mrcampaigning.com. Ich antworte persönlich.

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