Das CO2-Gesetz hat Kerosin im Blut

«Das innovativste Gesetz der Welt»

Erinnern Sie sich noch an die Flugscham, die den Airlines Sorgen machte, als wir noch nicht wussten, dass nicht die Klimajugend, sondern ein winzig kleines Virus den Himmel über unseren Köpfen leerfegen würde? Damals hatten wir noch Sorgen…

Doch während der CO2-Ausstoss der Fliegerei ganz sicher erneut in den Fokus der Öffentlichkeit rücken wird, hat die Schweiz auch schon eine Lösung parat – eine Lösung gar, um die uns die Luftfahrtindustrie anderer Länder beneidet: eine Kombination aus Flugticketabgabe und Anschubfinanzierung für den Umstieg auf synthetisches Kerosin.

Vorletzte Woche sprach ich mit einem zukünftigen Produzenten von erneuerbarem Flugbenzin aus London. Als ich ihm erklärte, wie das neue CO2-Gesetz beides kombiniert, sprang er fast auf und sagte enthusiastisch „Wow, das ist das innovativste Konzept, von dem ich je gehört habe. Davon muss die Welt erfahren!“

Wie passt das zur kleinkrämerischen Kritik der Erdöllobby am CO2-Gesetz, wegen ein paar Rappen pro Liter, als ob die Welt daran zugrunde gehen und bald eine Hungersnot ausbrechen würde? (Dazu muss man auch noch wissen, dass die Treibstoffabgabe von Big Oil selbst erhoben und einkassiert wird, als Entschädigung dafür, dass die Erdölimporteure ihren CO2-Ausstoss reduzieren müssen, so wie alle anderen auch. In keinster Weise handelt es sich dabei um eine Steuer.)

Das neue CO2-Gesetz sieht eine Flugticketabgabe vor. Während diese ursprünglich als reine Lenkungsabgabe gedacht war – was zum Scheitern des Gesetzes im Dezember 2018 im Nationalrat beitrug – ist es ein paar kreativen Köpfen aus FDP, GLP und Mitte zu verdanken, dass 49 Prozent der Flugticketabgabe zur Finanzierung von CO2-reduzierenden Innovationen in der Luftfahrtindustrie verwendet werden können, und zwar explizit für den Einstieg in die Produktion von synthetischem Kerosin. Bei diesen kreativen Köpfen handelt es sich um die Ständeräte Damian Müller (FDP )und Ruedi Noser (FDP ), die Nationalräte Martin Bäumle (GLP) und Nicolas Paganini (Mitte) und mich (FDP), basierend auf einer Idee von ETH-Prof. Anthony Patt. 

Weiterführende Links zur Entstehung und Ausarbeitung der Idee im Sommer 2019: 

Die NZZ am Sonntag berichtete im September 2019 darüber und die NZZ kommentierte ein paar Monate später. 

Fliegen und Fahren mit Luft

Synthetisches Kerosin – ebenso wie synthetischer Diesel, Benzin oder Heizöl – sind eigentlich keine neue Erfindung. Die Technologie zur Produktion ist schon über 100 Jahre alt. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine Umkehrung des Verbrennungsprozesses, indem man aus den Verbrennungsprodukten CO2 und Wasser wieder Treibstoff herstellt. Dieser Prozess erfordert Energie. Wenn diese Energie erneuerbar ist und das CO2 aus der Atmosphäre stammt (und nicht aus fossilen Quellen), dann ist der so hergestellte synthetische «Sprit» CO2-neutral. Das eigentlich Neue an dieser Technologie sind kostengünstigere Methoden zum Abscheiden von CO2 aus der Luft und die erneuerbaren Energien.

Aktuell schätzt man die Produktionskosten für einen Liter synthetischen Treibstoff auf 2.50 bis 5 Franken in der Produktion. Mit dem Geld aus der Flugticketabgabe könnte man bei heutigen Preisen 5-10 Prozent des Kerosinverbrauchs in Zürich Kloten erneuerbar produzieren. 

Solche Mengen erfordern den Aufbau einer komplett neuen Industrie. Das wiederum führt zu Effizienzsteigerung und weiteren Innovationen. In dem Masse, in dem synthetisches Kerosin  durch weitere Innovationen, Erfahrung und Effizienzgewinne günstiger wird, kann man die Beimischquote erhöhen.

Irgendwann zwischen 2040 und 2050 sollte nach Prognosen von McKinsey und dem World Economic Forum synthetisches Kerosin nicht teurer sein, als das fossile und die Luftfahrtindustrie kann komplett defossilisiert werden und CO2-neutral fliegen. Flugscham wird dann höchstens noch ein Thema für die Geschichtsbücher sein. 

Flugticketabgabe stabilisiert das Stromnetz

Auch in anderer Hinsicht ist der Einstieg in die Produktion von synthetischem Kerosin interessant. Nutzt man erneuerbaren Strom zur Produktion, kann eine Syntheseanlage die enorme Menge an Überschussstrom im Sommer in Treibstoffe umwandeln und einer sinnvollen Nutzung zuführen. Dies unterstützt die Energiewende. 

Eine Syntheseanlage kann auch als Schattenkraftwerk dienen. Man kann die Anlage drosseln, wenn der Strombedarf kurzfristig die Produktion übersteigt. Der nun nicht mehr benötigte Strom steht somit sofort anderen Nutzern zur Verfügung. Sonst nutzt man dazu in der Regel Gaskraftwerke oder Pumpspeicherwerke. Somit können Anlagen zur Produktion von synthetischem Treibstoff einen Beitrag an die Netzstabilisierung im Zusammenhang mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien leisten. 

Die Chance packen – jetzt oder nie

Ein wesentlicher Teil des Anfangs der Geschichte vom CO2-neutralen Fliegen kann in der Schweiz geschrieben werden, aber nur, wenn wir jetzt das CO2-Gesetz annehmen. 

Denn auch andere Länder sind in den Startlöchern und bereiten Pilotanlagen vor, die EU plant eine Beimischquote für „Sustainable Aviation Fuel“ (SAF), Saudi-Arabien steigt gerade gross in die Produktion von grünem Wasserstoff ein. In ein paar Jahren wird dieser Zug abgefahren sein. Die Zeit für einen neuen Gesetzesentwurf würde kaum reichen.

Hier kommt nun noch eine zweite Weltpremiere ins Spiel: die Anrechenbarkeit synthetischer Treibstoffe bei der Berechnung der Flotten-CO2-Emissionen, Art. 18

Der Artikel besagt im Prinzip, dass Automobilimporteure beim Import eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor eine Reduktion bei den CO2-Sanktionen beantragen können, wenn sie so viel synthetischen Treibstoff kaufen oder produzieren, wie dieses Fahrzeugs während seiner «Lebensdauer» im Durchschnitt verbraucht. In Kombination mit den Steuererleichterungen für biogene Treibstoffe («Mineralölsteuerbefreiung») kommt dies einen Importeur nicht teurer, als die Sanktionen. Im Unterschied zum Bezahlen von Sanktionen kann er aber so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und auch Verbrenner klimaneutral «machen». 

Fünf Fliegen mit einer Klappe

Bei der Produktion von synthetischem Kerosin fällt je nachdem noch eine gewisse Menge synthetischer Diesel und ein wenig synthetisches Benzin an. Finanziert man mit der Flugticketabgabe die Produktion von synthetischem Kerosin, kann dies also gleichzeitig einen Beitrag an die Defossilisierung des Strassenverkehrs leisten, selbst wenn dessen Elektrifizierung nicht schnell genug vorankommt.

Aber damit nicht genug. Weitere Nebenprodukte sind Wachs und Paraffin, die sich sehr gut als erneuerbare Rohstoffe für die chemische Industrie eignen. An Ende landet dann CO2-neutrales Plastik in der Kehrichtverbrennungsanlage und man könnte deren CO2 klimaneutral rezyklieren.

Somit fördert die Flugticketabgabe die Defossilisierung des Luftverkehrs, des Strassenverkehrs und der chemischen Industrie, den Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion und leistet obendrein einen Beitrag zur Netzstabilisierung. 

Kein Wunder, dass das Ausland anerkennt, was Big Oil in der Schweiz nicht wahrhaben will: die 49% aus der Flugticketabgabe, die für Innovation und Transformation im Airline Business verwendet werden dürfen, sind ein Game Changer und bringen die Schweiz mit Siebenmeilenstiefeln weiter in Richtung Klimaneutralität. 

Und was wir hier erfinden, können wir ins Ausland exportieren. Der einzige Verlierer bei diesem «Spiel» ist die Erdölindustrie, sofern sie nicht die Zeichen der Zeit erkennt und selbst in die Produktion von synthetischem Kerosin einsteigt. Sonst werden ihr andere die Show stehlen. 

Zu guter Letzt sei der Transparenz zuliebe noch bemerkt, dass die Schweiz nicht genügend erneuerbaren Strom haben wird, um für den gesamten Flugbetrieb synthetisches Kerosin zu produzieren. 

Aber auch wenn in Zukunft ein Grossteil in wind- und sonnenreichen Gegenden der Welt produziert wird, so besteht doch eine enorme Chance darin, hier mit der Produktion zu beginnen, Erfahrungen zu sammeln, neue Technologien auszuprobieren und weiterzuentwickeln und dann später die Produktion mit Schweizer Knowhow, Innovationen und Beteiligungen ins Ausland zu verlagern. 

Das schafft neue Opportunitäten und nachhaltig gesicherte Arbeitsplätze, auch in der Schweiz. 

Deshalb werde ich am 13. Juni ganz klar Ja zum CO2-Gesetz sagen, und ich hoffe, Sie auch.

Nachtrag: SVP-Nationalrat Christian Imark hat heute seinen alternativen Plan zum CO2-Gesetz präsentiert. Er verschweigt dabei, dass synthetischer Treibstoff heute noch viel teurer ist, als fossiler. Während er also auf der einen Seite einen Benzinpreisaufschlag von 12 Rappen pro Liter als Grund zur Ablehnung des CO2-Gesetzes ins Feld führt, verschweigt er, dass sein Vorschlag viel teurer käme. Der von mir hier skizzierte Weg hingegen wäre finanzierbar und wesentlich günstiger.

energie-wende-ja unterstützt CO2-Gesetz

Der Verein energie-wende-ja hält das neue CO2-Gesetz für hochwirksam und sozialpolitisch besonders vorteilhaft. Er stützt sich in seiner Beurteilung auf seine jetzt vorgelegte Analyse von Energiekosten, -abgaben und Rückerstattungen für die Jahre 2025 bis 2030.

— Weiterlesen punkt4.info/die-ausgaben/details/news/energie-wende-ja-unterstuetzt-co2-gesetz/punkt4-edition-name/zukunft-wirtschaft/punkt4-edition-section/19595/punkt4-date/22-03-2021/punkt4-news-context/newsletter.html

„Eine grünere Stadt ist kühler und attraktiver: Metzinger reicht Postulat ein“

„Dietikon soll eine Strategie vorlegen, um mehr Grünflächen zu schaffen, fordert FDP-Gemeinderat Peter Metzinger in einem Postulat. Mit einem grünen Band liesse sich der zukünftigen Hitzeentwicklung entgegenwirken.“ Aber auch andere Massnahmen sollen geprüft werden. Letztendlich braucht es eine Strategie.

So berichtete gestern die Limmattaler Zeitung über ein Postulat von mir, das ich am Donnerstag einreichte, und das von 15 Mitgliedern des Gemeinderats unterzeichnet wurde.

Mehr dazu in der Limmattaler Zeitung:

https://www.limmattalerzeitung.ch/limmattal/region-limmattal/dietikon-eine-gruenere-stadt-ist-kuehler-und-attraktiver-ld.2101830

CO2-Gesetz unterstützt Umstieg auf erneuerbares Kerosin

Heute stand ein Leserbrief von mir in der Limmattaler Zeitung, zu einem Thema, das mir sehr wichtig ist: das CO2-Gesetz und die Anschubfinanzierung für den Umstieg auf erneuerbares Kerosin:

Im Gesetz steht es anders

Am Freitag vertrat der Flughafen-Zürich-Chef Stephan Widrig in dieser Zeitung den Standpunkt, die geplante Flugticketabgabe könne nicht für den Kauf von nicht fossilen Energieträgern eingesetzt werden. Dies sei im CO2-Gesetz nicht so vorgesehen. Deshalb sei es ein Gesetz ohne Wirkung auf den Klimaschutz in der Luftfahrt. Herr Widrig kennt das Gesetz wohl nicht so gut.

In Artikel 53 Absatz 2 steht, dass «… weniger als die Hälfte des Ertrags aus der Flugticketabgabe … für Massnahmen zur wesentlichen Verminderung von Treibhausgasemissionen eingesetzt» werden.

Damit ist gemeint, dass bis zu 49 Prozent der Flugticketabgabe verwendet werden können, um die Mehrkosten beim Einkauf von erneuerbarem Kerosin zu finanzieren. Nationalrat Martin Bäumle und ich hatten diese Idee eingebracht, und das Parlament hatte sie übernommen. Wir haben seitdem zahlreiche Gespräche mit Airlines, Flugzeugbauern und Vertretern der Erdölindustrie geführt.

In der NZZ am Sonntag vom 8. September 2019 fand unsere Idee noch Unterstützung durch den Flughafen. Wird das CO2-Gesetz abgelehnt, hat man sich selbst ins Fleisch geschnitten.

Weltweit herrscht grosses Interesse an dieser schweizerischen «Erfindung». Sie hat das Potenzial, zum globalen Game Changer zu werden. Wir sollten stolz darauf sein, statt sie zu leugnen.

Und wir sollten unbedingt Ja zum neuen CO2-Gesetz sagen.

Das Dilemma der sozialen Medien ist ein Dilemma für unsere Demokratien

Was ist Wahrheit? Können wir uns überhaupt noch auf eine Wahrheit einigen? Zerstören die sozialen Medien unsere Demokratien und spalten unsere Gesellschaften bis hin zu Bürgerkriegen?

Das sind Fragen, mit denen sich «Das Dilemma der sozialen Medien / The Social Dilemma» (auf Netflix) auseinandersetzt. Ich habe es eben gesehen und für sehr gut befunden. Es trifft genau den Nerv der Probleme, mit denen wir immer mehr konfrontiert werden.

Kaum ein grosses gesellschaftliches Problem – Pandemiebeämpfung, Klimawandel, Erneuerung unserer Mobilfunk-Infrastruktur – kann noch gelöst werden, weil Desinformation, Polarisierung, Hass und ein vermeintliches Recht auf eigene Meinung bar jeder Faktenbasiertheit jeden vernünftigen Diskurs kaputt machen.

Dahinter stecken umsatzorientierte Algorithmen, die nur ein Ziel haben: dass wir mehr und mehr Zeit in den Social Media verbringen.

Lassen wir uns das bieten? Oder stellen wir uns dagegen?

Die Antwort auf diese Frage wird die Zukunft der Menschheit entscheiden.

Mehr dazu hier.

Und wer sich gegen Desinformation (-skampagnen) engagieren möchte, kann mir hier folgen: www.ReclaimTheFacts.com

CO2-Gesetz ist ein solider Kompromiss

Aufgrund der Berichterstattung und eines Leserbriefs in der Limmattaler Zeitung der letzten Tage zum Referendum gegen das neue CO2-Gesetz, habe ich den folgenden Leserbrief geschrieben, der dort gestern veröffentlicht wurde. Nachdem das Parlament jahrelang an einem gutschweizerischen Kompromiss gearbeitet hat und das neue CO2-Gesetz die Grundlagen für eine klima- und gleichzeitig gewerbefreundliche Wirtschaftspolitik gelegt hat, an dem ich ebenfalls beteiligt war (sinnvolle Version einer Flugticketabgabe, neuer Art. 53, und Anrechenbarkeit synthetischer Treibstoffe bei den CO2-Sanktionen, neuer Art. 18), ist es mir wichtig, dass dieses Gesetz nicht am Referendum scheitert.

Clean Fuel Now Aktion auf dem Bundesplatz – Betankung eines konventionellen Autos mit synthetischem Diese von Sunfire; organisiert von meiner Campaigning Firma

CO2-Gesetz ist ein solider Kompromiss
Diverse Artikel zu den Beratungen über das CO2-Gesetz

Die Gegner des CO2-Gesetzes mobilisieren, indem sie das Gesetz mit Begriffen verunglimpfen, die nichts mit der Sache zu tun haben. Wie bei jedem gutschweizerischen Kompromiss gibt es immer ein gewisses Mass an Unzufriedenheit auf beiden Seiten. Der welschen Klimajugend kann man dies mit jugendlichem Leichtsinn nachsehen. Aber die Erdöllobby macht sich unglaubwürdig. Avenergy machte noch vor kurzem Werbung damit, dass sie die Zukunft der Branche in synthetischen Treibstoffen sieht. Diese werden aber nur dann eine Chance haben, wenn das Gesetz angenommen wird, denn ohne (den neuen) Artikel 18 haben synthetische Treibstoffe keine Chance auf dem Markt. Dieser Artikel sieht deren Befreiung von den CO2-Sanktionen vor, eine wichtige Voraussetzung für deren Finanzierbarkeit beim Aufbau der neuen Industrie. Und Auto Schweiz fällt mit dem Referendum einem seiner Mitglieder in den Rücken, das eine Anlage für die Produktion synthetischer Treibstoffe bauen möchte, was ebenfalls nur mit Artikel 18 machbar ist. Alles in allem handelt es sich beim neuen CO2-Gesetz um einen soliden Kompromiss, auf den man bauen kann und der Arbeitsplätze im Gewerbe schaffen wird. Wer jetzt Unterschriften dagegen sammelt, sollte sich dessen bewusst sein, dass er damit wichtige Investitionen abwürgt und der Zukunft der Schweiz einen Bärendienst erweist.

Peter Metzinger, Gemeinderat FDP, Dietikon

CO2-Gesetz: friends of swisscleantech wollen Big Oil kontern

Jahrelang hat das Schweizer Parlament am neuen CO2-Gesetz gearbeitet. Im September wurde es als gut schweizerischer Kompromiss verabschiedet. An Teilen davon (gute Rahmenbedingungen für synthetische Treibstoffe und synthetisches Kerosin beziehungsweise Power-to-X) habe ich mitgewirkt.

In meinen Augen und denen der friends of swisscleantech legt das Gesetz ein solides Fundament für die Schweizer Klimapolitik der nächsten Jahre. (Die friends of swisscleantech ist die Organisation der Einzelmitglieder des schweizerischen Wirtschaftsverbands swisscleantech, an deren Gründung ich ebenfalls mitgewirkt habe.)

Big Oil ergreift das Referendum

Umso bestürzter sind wir nun alle über die Ankündigung von Big Oil, auf Kosten der kommenden Generationen das Referendum zu ergreifen. Auch dass sie dabei Unterstützung durch einen Teil der Klimajugend bekommen, macht die Sache nicht besser. Ein Nein würde die Schweizer Klimapolitik um Jahre zurückwerfen und keine Verbesserung bringen.

Die friends of swisscleantech rufen nun zum Top-the-Vote-Challenge auf. Per sms «IVote» an die Nummer 488 (CHF 2 ) sollen doppelt so viele Stimmen für das CO2-Gesetz gesammelt werden, wie es für ein Referendum brauchen würde. Der Ertrag wird für die Kampagne zur Rettung der Schweizer Klimapolitik verwendet.

Ich habe schon abgestimmt. Bitte gib‘ auch Du Deine Stimme für den Klimaschutz und verbreite diese Information in Deinem Umkreis, so dass wir unser Ziel erreichen. Vielen Dank.

Weitere Informationen:
https://top-the-vote.ch

Photo by Heather Mount on Unsplash

Gibt es einen Zielkonflikt zwischen Gesundheit und Wirtschaft?

Die COVID-19 Task Force hat soeben ihre Einschätzung zu dieser Frage veröffentlicht. Weil sie nur als pdf online gestellt wurde, veröffentliche ich sie hier als Text:


Wir analysieren die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Studien zeigen, dass mit einer vollständigen Erholung erst zu rechnen ist, wenn die Epidemie unter Kontrolle ist. Die getroffenen Massnahmen verursachen zwar erhebliche wirtschaftliche Kosten, aber die Wirtschaftsleistung wäre auch ohne sie stark beeinträchtigt. Staatliche Unterstützungsleistungen an Unternehmen und Bevölkerung sind wirksame Strategie, die Schäden zu begrenzen und einen Aufschwung zu ermöglichen.

Die Covid-19-Pandemie und die Massnahmen, die zu ihrer Eindämmung ergriffen wurden, haben erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen. Die Konjunkturforschungsstelle (KOF) schätzt den Rückgang des Schweizer BIP im zweiten Quartal 2020 auf 8,4% und prognostiziert für 2020 einen Rückgang um 4,9%, d.h. einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um rund 45 Milliarden Franken. Die direkten Gesundheitskosten (Pflege- und Krankheitskosten) sind dabei deutlich geringer als die makroökonomischen Effekte (Rückgang der Produktion und des Konsums, Arbeitslosigkeit usw.). Ein grosser Teil (rund die Hälfte im Fall der Schweiz) ist der internationalen Entwicklung geschuldet. Darin enthalten sind der Einbruch der Nachfrage nach Schweizer Gütern und Unterbrechungen der Lieferketten

Die staatlichen Massnahmen zur Kontrolle der Epidemie (Lockdown, Verbot von Grossanlässen, soziale Distanzierung, Maskenpflicht usw.) sind aus gesundheitspolitischer Sicht unerlässlich, zeitigen aber hohe wirtschaftliche Kosten. Diese genau abzuschätzen ist äusserst schwierig, weil sie mit einer hypothetischen Situation verglichen werden müssten, in der gar keine Massnahmen ergriffen worden wären. Auch ohne verordnete Massnahmen ändern Bevölkerung und Firmen ihr Verhalten teilweise stark, sie konsumieren und investieren weniger. So ist in Schweden, das auf einen Lockdown verzichtet hat, der Konsum um 25% eingebrochen, verglichen mit 29% in Dänemark.

Nach der ersten Welle ist das Ziel, auf drastische Massnahmen wie ein Lockdown zu verzichten. Dazu braucht es allerdings neben weicheren Massnahmen wie Masken und Abstandsregeln griffige Eindämmungsstrategien. «Testen, Rückverfolgung, Isolation und Quarantäne» (TRIQ) ist mit erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteilen verbunden, da sie die Zahl der Infektionen wirksam und mit geringeren wirtschaftlichen Kosten reduziert als ein Lockdown.

Die verschiedenen Wirtschaftssektoren sind in hohem Masse voneinander abhängig. Eine Massnahme, die einen bestimmten Tätigkeitsbereich (z. B. Gastronomiebetriebe) betrifft, wirkt sich indirekt auch auf andere Sektoren (Zulieferer) aus. Die Bewilligung eines Grossanlasses kann dazu führen, dass zahlreiche Personen in Quarantäne geschickt werden müssen. In vielen Ländern plädieren daher die ÖkonomInnen, Massnahmen dort zu ergreifen, wo die Anzahl der Kontakte hoch und der Beitrag zur wirtschaftlichen Leistung relativ gering ist (im Freizeitbereich, zum Beispiel).

Eine rasche Wiedereröffnung verringert kurzfristig zwar die Auswirkungen auf die Wirtschaft, kann sich aber als kontraproduktiv herausstellen, wenn sie zu einer Zunahme der Fälle führt und die vollständige wirtschaftliche Erholung verzögert. Diese kann erst dann stattfinden, wenn das Vertrauen der Bevölkerung vollständig wiederhergestellt ist. Bis dahin sind staatliche Unterstützungsmassnahmen von Unternehmen und Bevölkerung dank den geringen Kreditkosten ein äusserst wirksam, um die negativen Auswirkungen der Krise zu mildern und Investitionen und Konsum zu stützen.


Diese Einschätzung wird auch von StopCovidCH geteilt, einer Gruppe, der ich angehöre, und die mit einer Petition eine konsequente Eindämmungsstrategie mit einem 12-Punkte-Programm fordert.

Zur Petition: https://act.campax.org/efforts/stopcovidch

Veranstaltungshinweis: Covid-19 – Nachhaltiger Wiederaufbau mit bis zu 70’000 Jobs möglich

Der Verein energie-wende-ja und Greenpeace haben vor kurzem ein Impulsprogramm veröffentlicht, um die aktuelle Krise als Chance für die Energiewende zu nutzen. Die beiden Organisationen kommen zum Schluss, dass der Umbau auf eine nachhaltige Energieversorgung bis zu 70’000 Stellen schaffen würde.

Wie realistisch dies ist, können Sie am 1. September in der Umweltarena Spreitenbach aus erster Hand erfahren. energie-wende-ja lädt dann von 14:00 – 17:15 Uhr zur „Covid-19 Studie – Diskussion“ ein. Nach Einstiegsreferaten zum Thema gibt es eine Podiumsdiskussion mit:

  • Delphine Klopfenstein Broggini, Conseillère nationale, Genève.
  • Peter Metzinger, Gemeinderat Dietikon (FDP), Unternehmer.
  • Beat Ruff, economiesuisse, Stv. Leiter Infrastruktur, Energie & Umwelt
  • Gabriela Suter, Nationalrätin Kt. Aargau
  • Walter Schmid, Energiepionier/Initiant Umwelt Arena

Weitere Informationen und Anmeldung (bis 28. August bitte) hier: energie-wende-ja.ch

Im folgenden noch die Medienmitteilung zum Impulsprogramm und am Ende zwei Download-Links.

„Veranstaltungshinweis: Covid-19 – Nachhaltiger Wiederaufbau mit bis zu 70’000 Jobs möglich“ weiterlesen

Norsk E-Fuel will erneuerbaren Treibstoff für Flugzeuge produzieren

Das Industriekonsortium Norsk E-Fuel baut in Norwegen zusammen mit weiteren Projektpartnern die erste kommerzielle Anlage zur Herstellung synthetischen Kerosins. Die Produktion wird ausschliesslich mit Ökostrom angetrieben. Schon in 6 Jahren will man so viel synthetisches Kerosin betreiben, dass damit 5% des jährlichen Bedarfs von Zürich-Kloten gedeckt werden könnten.

Die Wende kommt schneller als gedacht. Auch die Schweiz wäre ein guter Standort, denn nachdem der Nationalrat beschlossen hat, dass ein erheblicher Teil der Flugticketabgabe dafür verwendet werden kann, synthetisches Kerosin gegenüber fossilem konkurrenzfähig zu machen (eine Idee von ETH-Prof. Anthony Patt, Nationalrat Martin Bäumle und mir, wie Martin Bäumle hier im Nationalrat verdeutlicht), hat die Schweiz politisch weltweit die besten Rahmenbedingungen, um sowohl das Klima zu schützen als auch den nachhaltigen Umbau der Wirtschaft voranzutreiben und entsprechend neue Arbeitsplätze zu schaffen und alte im Gewerbe zu erhalten, so dass wir „den Fünfer und das Weggli“ haben können.

Voraussetzung: es gibt kein Referendum gegen das neue CO2-Gesetz oder das Referendum scheitert an der Urne. Deshalb Ja zum neuen CO2-Gesetz.

— Weiterlesen www.erneuerbareenergien.de/norsk-e-fuel-will-erneuerbaren-treibstoff-fuer-flugzeuge-produzieren